Künstliche Intelligenz

Claude CoWork: So nutzt du kollaborative KI-Arbeit in der Praxis

13. Januar 2026
8 Min. Lesezeit

Was ist Claude CoWork?

Claude CoWork ist ein spezieller Arbeitsmodus in der Claude‑Oberfläche von Anthropic.

Statt nur mit einem Chat‑Fenster zu arbeiten, hast du mehrere Claude‑Instanzen nebeneinander, die gleichzeitig am gleichen Thema arbeiten können. Du kannst:

  • verschiedene Lösungsansätze parallel ausprobieren
  • Aufgaben auf mehrere „virtuelle Kollegen“ aufteilen
  • Antworten direkt vergleichen

Denke an CoWork wie an ein kleines Team aus KIs, die du auf unterschiedliche Teilaufgaben ansetzt.

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Warum überhaupt mehrere Claudes parallel?

Mit nur einem Chat passiert oft Folgendes:

  • du mischst viele Themen in einem Verlauf
  • du verlierst den Überblick, welche Version gerade aktuell ist
  • du musst ständig hochscrollen, um etwas zu finden

CoWork löst genau das, indem es dir klare Arbeitsbereiche gibt:

  • ein Tab für Recherche
  • ein Tab für Entwurf
  • ein Tab für Überarbeitung
  • u.s.w.

So kannst du strukturierter arbeiten – ähnlich wie mit mehreren Projektreitern im Browser.

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Typische Einsatzszenarien für Claude CoWork

1. Texte schreiben (Blog, Mailings, Dokus)

So könntest du CoWork nutzen:

  • Tab A: Recherche → Quellen sammeln, Begriffe erklären lassen
  • Tab B: Struktur → Gliederung erstellen lassen
  • Tab C: Entwurf → erste Fassung des Textes
  • Tab D: Feinschliff → Stil vereinheitlichen, kürzen, vereinfachen

Vorteil: Jede Phase hat ihren eigenen Verlauf; du zerschießt nicht deine Recherche, nur weil du am Text weiterschreibst.

2. Programmierung und Code‑Review

  • Tab A: Fehleranalyse → Logs und Fehlermeldungen erklären lassen
  • Tab B: Refactoring → saubere, lesbare Version des Codes erstellen
  • Tab C: Tests → Testfälle und Randbedingungen ausdenken lassen

So kannst du Experimente machen, ohne dein „sauberes“ Ergebnis‑Snippet zu verlieren.

3. Planung & Projektarbeit

  • Tab A: Ziele, Anforderungen und Rahmenbedingungen sammeln
  • Tab B: Zeitplan und Meilensteine ausarbeiten
  • Tab C: Risiken, Annahmen und Abhängigkeiten diskutieren
  • Tab D: Kommunikationsplan (Wer informiert wen, wann, wie?)

Du bekommst eine Art „Projektmappe“, nur eben mit mehreren KI‑Assistenten.

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Wie funktioniert CoWork konkret?

Je nach Claude‑Version sieht die Oberfläche etwas anders aus, das Grundprinzip bleibt gleich:

1.Du startest einen CoWork‑Space statt eines normalen Chats.
2.Du legst mehrere Panels/Tabs an (z.B. „Recherche“, „Entwurf“, „Review“).
3.Jeder Tab hat seinen eigenen Claude, mit eigenem Kontext.
4.Du kannst Inhalte zwischen Tabs kopieren oder zusammenfassen lassen.

Wichtig: Die einzelnen Claudes „wissen“ nicht automatisch voneinander – du musst die relevanten Infos gezielt rübergeben (Copy & Paste oder Zusammenfassungen).

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Gute Praxis: So holst du das Maximum aus CoWork

1. Tabs wie Rollen behandeln

Vergib klare Rollen und Namen:

  • „Claude – Research“ (nur Fakten, Quellen, Erklärungen)
  • „Claude – Draft“ (Textentwürfe, Codeentwürfe)
  • „Claude – Editor“ (kürzt, vereinfacht, prüft)

So weißt du immer, wofür welcher Tab gedacht ist.

2. Mit kurzen, klaren Briefings starten

Jeder Tab sollte ein eigenes, kurzes Briefing bekommen:

  • Kontext: Worum geht es?
  • Ziel: Was soll am Ende hier rausfallen?
  • Grenzen: Was soll dieser Claude explizit nicht tun?

Beispiel (Editor‑Tab):

> Du bist ein Lektor. Du änderst nur Stil, Klarheit und Struktur. Inhaltliche Aussagen prüfst du nicht auf Fakten, sondern markierst nur Stellen, die unklar wirken.

3. Versionen bewusst einfrieren

Wenn du mit einem Ergebnis zufrieden bist:

  • markiere es (z.B. „Version 1 – Stand 10:30“)
  • kopiere es in ein separates Dokument oder einen „Final“-Tab

So kannst du im CoWork‑Space weiterprobieren, ohne deine „stabile“ Version zu verlieren.

4. KI nicht KI korrigieren lassen

Vermeide, dass ein Claude nur die Fehler eines anderen Claude blind „korrigiert“.

Besser:

  • gib dem Review‑Tab auch deinen eigenen Kontext und Erwartungen
  • lass ihn erklären, warum er etwas ändert oder kritisiert

So erkennst du, ob eine Änderung sinnvoll ist – oder nur Geschmacksfrage.

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Typische Fehler beim Einsatz von CoWork

1.Zu viele Tabs

- Wenn du 8–10 parallele Panels hast, verlierst du den Überblick.

- Empfehlung: max. 3–5 Tabs pro CoWork‑Space.

2.Kein klares Ziel pro Tab

- „Mach mal alles“ führt zu Chaos.

- Jeder Bereich braucht einen klaren Fokus.

3.Keine menschliche Entscheidung

- CoWork ersetzt kein Denken.

- Du musst am Ende auswählen, kombinieren, streichen.

4.Fakten nicht gegengeprüft

- Mehrere Claudes können denselben Unsinn wiederholen.

- Kritische Inhalte immer gegen echte Quellen prüfen.

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CoWork für Leute, die „eigentlich keine Zeit für KI haben“

Wenn du wenig Lust auf KI‑Feintuning hast, nutze CoWork minimalistisch:

  • 2 Tabs reichen oft:

- Tab 1: Entwurf

- Tab 2: Überarbeitung & Kürzung

  • definiere pro Tab eine Aufgabe
  • nutze CoWork vor allem dann, wenn du merkst, dass ein einzelner Chat zu unübersichtlich wird

So bekommst du Struktur, ohne dich in Funktionen zu verlieren.

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Sicherheit, Datenschutz und Grenzen

  • Auch in CoWork gilt: Keine sensiblen Rohdaten (Passwörter, interne Geheimnisse, personenbezogene Daten), wenn du nicht sicher bist, dass deine Umgebung das erlaubt.
  • CoWork macht Claude nicht „allwissend“ – Halluzinationen und Fehler bleiben möglich.
  • Mehrere Instanzen erhöhen den Nutzen, aber auch das Risiko, dass du falsche Infos mehrfach ungeprüft übernimmst.

Baue daher immer einen Schritt „menschliche Prüfung“ in deinen Workflow ein.

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Fazit

Claude CoWork ist weniger Zauberei, mehr Arbeitsorganisation: Du bekommst mehrere, sauber getrennte KI‑Arbeitsplätze statt eines einzigen chaotischen Chat‑Verlaufs.

Sinnvoll genutzt heißt das:

  • klare Rollen pro Tab
  • begrenzte Anzahl paralleler Claudes
  • bewusste Versionierung und menschliche Prüfung

Dann wird CoWork zu einem echten Multiplikator für Schreiben, Planen und Entwickeln – und nicht zu noch einem weiteren Ort, an dem du den Überblick verlierst.